Der Lüneburger Mika Bran hat den gemeinnützigen Verein „Wir kämpfen gegen Blutkrebs” gegründet

Während andere 17-Jährige feiern gehen und sich mit Freunden vergnügen, hat Mika Bran aus Lüneburg seine Freizeit einem ernsten Ziel verschrieben. Mit 16 Jahren hat er den Verein „Wir kämpfen gegen Blutkrebs” gegründet. Neben Typisierungsaktionen zur Stammzellspende gibt es viele weitere Pläne.

Dass er erst 17 Jahre alt ist, hält Mika Bran nicht davon ab, sich aktiv für den Kampf gegen Blutkrebs einzusetzen – auch wenn das nicht immer gut ankomme, wie er sagt. „Es gibt oft Alteingesessene, die immer noch im Kopf haben, dass man in meinem Alter noch nicht so viel Ahnung haben kann und wenn man mal was vorschlägt, sich auf den Schlips getreten fühlen”, erzählt er. Dabei richtete er sich schon früh beruflich aus: Nach der neunten Klasse begann er an der BBS 3 in Lüneburg eine Ausbildung zum Pflegeassistenten, die er nach einem Jahr verließ. Zwar hat er die Berufsausbildung nicht abgeschlossen, absolvierte jedoch eine Weiterbildung zum Pflegehelfer sowie Weiterbildungen für Blutabnahme, Injektionen von allen Injektionsarten und das Legen von Zugängen. Zurzeit arbeitet er in Teilzeit als Pflegehelfer im Posener Altenheim und wechselt demnächst zum Seniorenzentrum Alte Stadtgärtnerei. „Ich habe mich schon immer für die Pflege und Medizin interessiert. Daraufhin habe ich mein erstes Praktikum in der ambulanten Pflege gemacht und gemerkt, dass es mein Ding ist”, erklärt der Jugendliche. Sein Engagement gegen Blutkrebs begann, als Mika Bran in den sozialen Netzwerken davon erfuhr, dass die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) Personen sucht, die Typisierungsaktionen zur Stammzellspende organisieren. „Da ich noch in der Ausbildung war und Zeit hatte, dachte ich mir, das mache ich einfach mal”, erzählt der Pflegehelfer. „Dann habe ich mich mit der DKMS in Verbindung gesetzt und die Typisierungssets zugeschickt bekommen.” Er erstellte einen Beitrag auf Facebook, in dem er ehrenamtliche Helfer und einen kostenlosen Raum suchte. Es meldeten sich mehrere freiwillige Helfer, Räumlichkeiten für die Typisierungsaktion stellte K&L Dienstleistungen an der Haagestraße zur Verfügung – im ehemaligen Corona-Testzentrum. Damit möglichst viele Menschen zur Typisierungsaktion kommen, bewarb er die Aktion über Flyer, Plakate und in der Zeitung. Mit Erfolg: Rund 70 Menschen nahmen an der ersten Typisierungsaktion teil. Laut DKMS erhält alle zwölf Minuten in Deutschland ein Mensch die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs, weltweit alle 27 Sekunden. Blutkrebs sei nach wie vor die häufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle bei Kindern. Viele Patientinnen und Patienten könnten ohne eine lebensrettende Stammzellspende nicht überleben, und mit der Suche nach geeigneten Spenderinnen und Spendern beginne immer auch ein Wettlauf gegen die Zeit. Je schneller ein „Match“ gefunden werde, desto größer seien die Überlebenschancen der Patientinnen und Patienten. Das Ziel der internationalen gemeinnützigen Organisation DKMS ist es, weltweit so vielen Blutkrebspatientinnen und -patienten wie möglich eine zweite Lebenschance zu geben. In der DKMS sind mehr als zwölf Millionen potenzielle Spenderinnen und Spender registriert, bis heute hat die Organisation mehr als 110.000 Stammzellspenden vermittelt.

 

Typisierungen und Selbsthilfegruppen

„Ich wollte gerne eine zweite Aktion veranstalten, da es einfach Spaß gemacht hat und es so viel Nachfrage und Interesse gab. Die DKMS wollte aber keine langfristige Zusammenarbeit”, erklärt Mika Bran. „Daraufhin hatte ich die Idee, einen eigenen Verein zu gründen und das DRK Baden-Württemberg für eine Kooperation angefragt.” Diese hätten sofort zugesagt und mit ihm einen Vertrag aufgesetzt. Die ehrenamtlichen Helfer der ersten Aktion hätten zudem Interesse gehabt, Mitglied zu werden und ihn weiterhin zu unterstützen. So gründete Mika Bran vor einem Jahr den aufgrund seiner Minderjährigkeit nicht eingetragenen Verein „Wir kämpfen gegen Blutkrebs”, der als gemeinnützig anerkannt wurde. Dem nicht eingetragenen Verein entstehen keine Nachteile gegenüber einem eingetragenen Verein, auch Spendenbescheinigungen kann er ausstellen. Zwar will Mika Bran den Verein eintragen lassen, sobald er volljährig wird. „Durch die Eintragung ändert sich aber nur, dass wir Notarkosten zahlen müssen und es mehr Büroarbeit gibt”, sagt er. Mika Bran verfolgt mit seinem Verein das Ziel, Betroffenen von Leukämie eine neue Hoffnung zu geben und das öffentliche Gesundheitssystem durch Ehrenamt zu fördern. Hauptsächlich organisiert er zurzeit in Kooperation mit dem DRK Typisierungsaktionen und bietet Infoveranstaltungen an Schulen und zwei Selbsthilfegruppen – zum einen für pflegende Angehörige, zum anderen für Krebserkrankte – an, die Mika Bran selbst leitet. „Bei den Selbsthilfegruppen geht es um jede Krebsart. Aber aus finanziellen Gründen schaffen wir es leider nicht, uns für noch mehr Krebsarten einzusetzen”, erläutert er. Der Verein wolle jedoch demnächst zusätzlich eine examinierte Krankenschwester als Palliativ-Fachkraft umschulen lassen und dann auch Palliativ-Pflege anbieten. Zudem sind Weiter- und Fortbildungen für Mitarbeitende der Pflege geplant. Auch die Ehrenamtlichen im Verein werden intern von Pflegefachkräften und einer Lehrkraft für Pflegeberufe geschult, entwickelt wurde das Konzept mit Pflegekräften und Ärzten. Der Verein „Wir kämpfen gegen Blutkrebs” basiert auf reinem Ehrenamt und finanziert sich ausschließlich durch Spenden. „Zum Anfang des Vereins habe ich alle Kosten aus privater Tasche bezahlt”, erklärt der 17-Jährige, der aus Kostengründen die Vereinsarbeit von zu Hause aus erledigt. Noch hat der Verein drei Sponsoren, doch die Verträge laufen Mitte dieses Jahres aus – Mika Bran hofft auf Verlängerung. Eine Förderung für Selbsthilfegruppen, die man bei den Krankenkassen beantragen kann, steht dem Verein jedoch nicht zu. „Da ich in der Pflege arbeite, gelten wir als professionell und uns stehen damit keine Förderungen für Selbsthilfegruppen zu”, erklärt Mika Bran. „Würden wir jemanden da hinsetzen, der keine Ahnung davon hat, dann stehen uns Förderungen bis 5.000 Euro zu.”

Zuverlässige Mitglieder gesucht

Nach seiner Arbeit als Pflegehelfer setzt sich Mika Bran zu Hause an die Büroarbeit für seinen Verein. Es muss viel organisiert werden, was oft bis in die Nacht geht. Sein Wissen eignet er sich eigenständig durch Fortbildungen an. Elf Mitglieder zählt der Verein bis jetzt, davon zwei Vorstände, ein Beirat und ein Kassenwart. Dabei soll es jedoch nicht bleiben. „Wir suchen dringend zuverlässige Mitglieder, selbstverständlich auch immer Sponsoren und einen guten Steuerberater”, so der Vereinsgründer. Während die Selbsthilfegruppen des Vereins noch im Aufbau sind, gibt es bereits weitere Termine für Typisierungsaktionen zur Stammzellspende. Die nächsten Aktionen finden am Sonntag, 17. März, in der Zeit von 11 bis 16 Uhr auf dem Flohmarkt in Luhmühlen (Westergellerser Heide 1) sowie am Freitag, 26. April, 18:30 bis 21:30 Uhr und Samstag, 27. April, in der Zeit von 11 bis 14 Uhr auf dem Flohmarkt in Adendorf (Scharnebecker Weg 21) statt. (JVE)

Vereinsgründer mit 16
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