Leonie Lemmer aus Rullstorf schreibt Liebesromane
Mit dem Schreiben hatte Leonie Lemmer nie etwas am Hut. Bis sie sich im Jahr 2023 hinsetzte und kurzentschlossen anfing, ein Buch zu schreiben. Und sie kann nicht aufhören: Im Januar erscheint der fünfte Roman der Rullstorferin.
Leonie Lemmer ist nicht der wirkliche Name der Autorin. Sie schreibt unter einem Pseudonym – das hat mehrere Gründe: Zum einen hatte sie zu Beginn ihrer Schreibkarriere noch ein Geschäft, das sie klar von ihrer Autorentätigkeit trennen wollte. Zum anderen erschien ihr Name ihr nicht passend, um auf einem deutschen Roman zu stehen. Die 44-Jährige, die in Luxemburg geboren und aufgewachsen ist, lebt seit 2017 mit ihrer Familie in Rullstorf. Im Ort wissen die meisten, dass sie Bücher schreibt, vermutet sie. Dass sie ihr Pseudonym kennen, bezweifelt sie. Ihren Mann, einen Adendorfer, lernte Leonie Lemmer schon 1999 über das Internet kennen – sie teilten eine gemeinsame Leidenschaft für Musik und Festivals. Ein Paar wurden sie erst zehn Jahre später. Er zog zu ihr nach Luxemburg, und sie bekamen zwei Söhne, die heute elf und dreizehn sind. Doch Leonie Lemmer verlor früh beide Eltern, so dass sie mit ihrem Mann kurz vor Schuleintritt der Kinder beschloss, in die Heimat ihres Mannes zu ziehen – in den Landkreis Lüneburg. Sie kannte hier vor allem Adendorf, nun leben sie im ländlichen Rullstorf, wo die gelernte Erzieherin im Waldkindergarten als Springerin arbeitet. Doch das war nicht von Anfang an so: Mit ihrem Mann betrieb sie in Bardowick ein Fachgeschäft für Babyartikel, das sie zuvor in Luxemburg aufgebaut hatten. Sie waren Experten in Sachen Babyschalen und Kindersitze fürs Auto, das Geschäft lief gut. Doch dann kam die Corona-Pandemie, und die Menschen kauften mehr und mehr im Internet ein. Irgendwann ging es nicht mehr: Nach zehn Jahren musste das Paar 2023 den Laden schließen.
Flucht in die Welt der Bücher
Die Coronazeit hatte Leonie Lemmer zugesetzt, es ging ihr nicht gut. „Mit zwei kleinen Kindern war es schwierig, Zeit für sich zu haben”, erinnert sie sich. In dieser Zeit habe sie besonders viel Bücher gelesen, am liebsten Liebesromane. „Das war eine Welt, in die ich mich geflüchtet habe.” Und plötzlich, als hätte sie nie etwas anderes gemacht, setzte sie sich hin und fing selbst an, eine Geschichte zu schreiben. Ideen hatte sie genug im Kopf. „Ich musste es irgendwie loswerden”, erzählt sie. „Daraus ist dann immer mehr entstanden. Aus einer Geschichte wurden mehrere, und ich habe dann nicht mehr aufgehört. Als hätte man einen Korken aus einer Flasche gezogen.” Musikalisch und kreativ war sie immer gewesen, doch das Schreiben war für sie neu. Leonie Lemmers erstes Buch „Immer Nur Mit Dir Nele & Leo”, der erste Roman der Reihe „Brausepulver-Momente” erschien im Oktober 2023. Die Autorin entschied sich für das Self-Publishing, also das Veröffentlichen im Eigenverlag, um keine Zeit zu verlieren und die Abläufe selbst in der Hand zu haben. „Parallel zum Schreiben habe ich mich informiert, was für Möglichkeiten ich habe. Zum Beispiel wollte ich das Cover selbst gestalten”, erklärt die Autorin. Es folgten in kurzen Abständen die Romane „Immer Nur Seit Dir Lana & Josh” und „Immer Nur Wegen Dir Mia & Tom”. Die Buchreihe besteht aus in sich abgeschlossenen Liebesgeschichten mit Happy End, die man unabhängig voneinander lesen kann und dir gleichzeitig spielen. „Meine erste Buchreihe kann man schon ab 13, 14 Jahren lesen, die zweite eher erst ab 16, weil sie explizite Szenen enthält”, erklärt Leonie Lemmer. Schon während sie das erste Buch schrieb, wurde ihr klar, dass Band 2 und 3 folgen müssten. „Die Bücher sind immer aus zwei Sichten geschrieben. Die Protagonisten entscheiden selbst, was passiert, und mir war klar, dass die beste Freundin auch eine Geschichte braucht.” Schon während sie an Band 1 schrieb, machte sie sich Notizen für den zweiten Teil, der ein halbes Jahr nach dem ersten erschien. Der dritte und letzte Teil kam im August 2024 heraus. „Bei Band 3 war es schwierig abzuschließen. Es war wie ein Abschied, als würde man Freunde zurücklassen.” Später schrieb sie noch die Kurzgeschichte „Immer Nur An Weihnachten”, die die Handlung der ersten Reihe wieder aufgreift und zwei Jahre später spielt.
Wie wird man Autorin?
Dass sie ihre Bücher nicht nur für die Schublade schreiben will, war Leonie Lemmer von Anfang an bewusst. Doch sie fragte sich: Ab wann nennt man sich Autorin, wie geht das eigentlich? Um sich und ihre Bücher bekannter zu machen, betrieb sie von Anfang an selbst das Marketing – bei Instagram, auf Messen und auf Lesungen in ganz Deutschland. Erfahrung bei Instagram hatte sie schon durch ihren Laden gesammelt, außerdem rührte sie natürlich die Werbetrommel im Freundeskreis. Inzwischen hat sie außerdem gute Kontakte in Autorenkreisen, tauscht sich viel mit ihnen aus. „Man braucht auch Blogger, die einem helfen.” Um weiter in die Materie einzusteigen, hat sie sich zu einer Konferenz angemeldet, bei der sie andere Autoren von Liebesromanen treffen wird. Wenn die Autorin bei Buchmessen einen Stand hat, kommt sie mit Lesern und anderen Autoren ins Gespräch. „Der persönliche Kontakt mit treuen Fans ist ganz besonders”, so ihre Erfahrung. Leonie Lemmers Bücher sind im Buchhandel, direkt bei ihr oder bei Amazon erhältlich – werden also bei Bestellung gedruckt. Es zeigt sich: „Ich verkaufe am meisten über Messen im direkten Kontakt.” Das Schreiben ist für Leonie Lemmer neben ihrem Job im Kindergarten „fast wie ein Full-Time-Job”, erklärt sie. Finanziell müsse sie für alles rund um ihre Bücher in Vorkasse gehen – Korrektorat, Lektorat, Cover und Druck. Doch auch wenn sie schon eine stattliche Fangemeinde aus begeisterten Leserinnen hat, bleibt das Schreiben für die 44-Jährige ganz klar ein Hobby. „Um davon leben zu können, muss man richtig, richtig viel verkaufen”, weiß sie. Weil die Autorin immer noch so viele Storys im Kopf hat, folgte zügig ihre nächste Buchreihe. „Kaya & Mats Frösche küsste man nicht”, erschienen im März 2025, ist der erste Band der Reihe „Verliebt in Weesebüll”. Am 15. Januar 2026 erscheint der zweite Band „Keno & Alea Fake-Dates küsst man nicht!” Die Bücher sind in einer erfundenen Kleinstadt in Nordfriesland angesiedelt, für die sich die Autorin Inspiration in der Heimat ihres Mannes, in Adendorf, geholt hat. „Das versteht man nur, wenn man nicht in Deutschland aufgewachsen ist”, erklärt sie. „Ich war regelmäßig in Adendorf zu Besuch, und es war kein Dorf für mich. Ich fand alles faszinierend – diese Dynamik, das Geregelte, die Fahrradfahrer – und es ist alles im Ort erhältlich! In Luxemburg muss man mit dem Auto zehn Kilometer fahren, um zum nächsten Laden zu kommen. In Luxemburg sind ganz viele Berge, da fährt in seiner Freizeit keiner Rad. Adendorf ist für mich wie Urlaub.” Als sie durch Adendorf spaziert sei, sei ihr die Idee gekommen, ihre nächste Reihe in einer Kleinstadt wie dieser spielen zu lassen. „Auch die Karte der Stadt in meinem Buch ist durch Adendorf inspiriert”, erzählt sie.
Leichte Literatur mit Tiefgang
Auch Freunde aus alten Luxemburger Zeiten haben in ihren Büchern schon Situationen wiedererkannt, die sie mit ihr vor vielen Jahren erlebt haben. „Eine alte Freundin aus Luxemburg hat durch mich wieder angefangen zu lesen. Sie sagte, sie könne sich das alles vorstellen, sie erinnert sich, wie es damals war. Das sind Rückmeldungen, über die man sich freut.” Dass ihr neuestes Buch am 15. Januar erscheinen soll, hat einen besonderen Grund – es ist der Todestag ihrer Mutter. Als ihre Mutter nach langer Krankheit im Januar vor 21 Jahren starb, war Leonie Lemmer bei ihr. Als sie danach zu ihrer Bandprobe fuhr, um sich abzulenken, entschied sie, ab jetzt jedes Jahr am Todestag ihrer Mutter etwas Positives zu unternehmen. „Es kann etwas Besonderes mit meiner Familie sein, oder auch einfach etwas für mich. Die Traurigkeit bleibt, sie ist nur nicht mehr so präsent”, erklärt sie. Ihr Mann und ihre Kinder hatten keine Gelegenheit, ihre Mutter kennenzulernen, doch die Bedeutung dieses Tages ist für die Familie groß. Die Romance-Bücher, die Leonie Lemmer schreibt, werden fast ausschließlich von Frauen gelesen. „Mein Mann kennt alle meine Bücher, hat aber wenig Zeit zu lesen. Mein großer Sohn findet es besonders, dass ich Bücher schreibe, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sie jemals lesen”, meint die Autorin. Ihre Hauptleserinnenschaft schätzt sie auf 25 bis 45 Jahre. „Ich bin auch in diesem Genre unterwegs und weiß, wie die Figuren sprechen müssen. Es soll ja immer authentisch sein.” Die Schriftstellerin schreibt für Frauen, die nach Hause kommen und es sich mit einem Glas Wein und dem Buch gemütlich machen wollen, um abzuschalten und hinterher ein gutes Gefühl zu haben – wie sie selbst. „Es ist zwar leichte Literatur, aber sie ist auch tiefgründig.” Die Autorin hat sich nach ihrer eigenen Einschätzung in ihrem Schreiben weiterentwickelt. Es ist ihr aber weiterhin wichtig dazuzulernen. Inzwischen sucht sie über Instagram gezielt Testleserinnen, die ihr konstruktives Feedback geben und nicht nur sagen „das Buch hat mir sehr gut gefallen.” Sie legt großen Wert auf die Kritik ihrer Testleserinnen – meist Autoren oder Blogger. „Man merkt eine Entwicklung, sagen einige – ich merke es auch. Durch die Erfahrungen und Rückmeldungen wäre mein erstes Buch heute wahrscheinlich ganz anders.” Wer Leonie Lemmer und ihre Bücher kennenlernen möchte, kann sie übrigens persönlich am Scharnebecker Weihnachtsmarkt am Sonntag, 7. Dezember, ab 14 Uhr an ihrem eigenen Stand antreffen. (JVE)
